Brandenburgliga Männer
Ein Unentschieden als gefühlter Sieg
HSG Schlaubetal – BSV G.-W. Finsterwalde 27:27 (11:15)
Von W. Hohmann
Selten hatten die ca. 200 Zuschauer in der Müllroser Schlaubetal-Halle einen so euphorischen HSG- Trainer Olaf Ermling erlebt, wie in diesem Spiel. Dieser stürmte nach dem Schlusspfiff auf das Parkett, umarmte seine Spieler und feierte dieses Unentschieden gemeinsam mit den begeisterten Zuschauern wie einen Sieg.
Dazu hatten er und seine Spieler auch allen Grund. Denn über die gesamte Spielzeit lagen die Gäste aus Finsterwalde bis auf vier Unentschieden in der Anfangsphase (3:3, 4:4, 5:5 und 7:7) ständig in Führung. Insofern zeigte sich Gästetrainer René Büchl nach dem Schlusspfiff enttäuscht und sprach von einem „verschenkten Sieg“.
Bereits in der Anfangsphase des Spiels war abzusehen, dass die Zuschauer, unter ihnen der Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft Jörg Vogelsänger, der Direktor des Amtes Odervorland Peter Stumm sowie der Müllroser Bürgermeister Ingomar Friebel, ein enges und hart umkämpftes Spiel erleben würden. Auf der einen Seite war deutlich zu sehen, dass die Gastgeber mit dem festen Willen in das Spiel gingen, diese Partie unbedingt gewinnen zu wollen. Und auf der anderen Seite stand ein Gegner, der dieses Ziel ebenfalls anstrebte und sich ebenfalls selbstbewusst und siegessicher zeigte. Dabei gelang den Gästen der bessere Start und sie konnten nach einem Fehlversuch der Gastgeber schnell mit 0:2 in Führung gehen. Danach gelang es den Gastgebern, diesen Rückstand wett zu machen und zum 3:3 bzw. 7:7 auszugleichen. Als Matthias Stalla in der 16. Minute eine Zeitstrafe erhielt, kam es speziell im Angriffsspiel der Müllroser zu einem Bruch. Hier versuchten die Gastgeber mit „Gewalt“ zu schnellen Torerfolgen zu kommen. In dieser Phase schloss die Mannschaft von Trainer Olaf Ermling ihre Angriffe teilweise bereits nach sieben Sekunden mit meist unplatzierten und unvorbereiteten Würfen ab. Im Gegenzug nutzten die Gäste die daraus resultierenden Ballgewinne wesentlich effektiver und setzten sich auf 7:11 ab. Auch davon ließen sich die Gastgeber nicht beeindrucken und kämpften sich bis zur 28. Minute wieder auf zwei Tore zum 11:13 heran. Zu diesem Zeitpunkt griff das insgesamt wenig überzeugende Schiedsrichterduo Kalusche/Gerigk völlig unverhältnismäßig in das Spiel ein. Nachdem Matthias Stalla seinem Gegenspieler von hinten in den Wurfarm griff, werteten die Schiedsrichter dies als „grob unsportliches Verhalten“ und zeigten ihm die rote Karte. Eine Entscheidung, die nicht nur spielentscheidende Auswirkungen haben sollte, sondern selbst von den zahlreichen unter den Zuschauern befindlichen erfahrenen Schiedsrichtern, Coaches und Schiedsrichterbeobachtern als völlig überzogen und unverhältnismäßig bewertet wurde. Vor allem deshalb, weil es zuvor mehrfach Situationen gab, wo es Griffe in das Gesicht des Gegenspielers oder Schlagen gegen den Hals gab, die allesamt nicht oder nur mit Freiwurf geahndet wurden. Diese Entscheidung brachte die Gastgeber in der Endphase der 1. Halbzeit völlig aus dem Konzept, was zwei leichte Abspielfehler zur Folge hatte. Diese nutzten die Gäste eiskalt zu zwei weiteren Treffern, so dass die Seiten mit 11:15 gewechselt wurden.
Die Herausstellung von Matthias Stalla hatte für die Mannschaft von Trainer Olaf Ermling erhebliche taktische Konsequenzen. Denn mit seinem Ausfall fiel bei den Schlaubetalern praktisch die gesamte linke Aufbaureihe aus, da hier mit Michael Schmidt und auch Marc Eschenbach bereits zwei Stammspieler verletzungsbedingt fehlten. Dementsprechend viel wurde dann auch zum Beginn der zweiten Halbzeit in den Reihen der Schlaubetaler experimentiert. Daraus resultierten zunächst einige Fehler der Schlaubetaler im Spielaufbau. Diese wurden von den Gästen genutzt, um ihren Vorsprung bis zur 45. Minute auf 15:20 auszubauen. Als viele der Zuschauer sich bereits mit einer Niederlage abgefunden hatten, fanden die Gastgeber über den Kampf wieder in das Spiel. Während diese in der Deckung zunehmend an Sicherheit gewannen und Torhüter Florian Kubusch einige Würfe der Gäste parieren konnte, drehten sie auch im Angriff auf. Hier erwiesen sich vor allem David Schaffranke und Normen Ermling mit jeweils sieben Feldtoren als treffsichere Torschützen.
Gegen die konditionell sichtbar abbauenden Gäste holten die Schlaubetaler Tor um Tor auf und unter dem Jubel der Fans stand es in der 60. Minute nur noch 26:27. Als den Gastgebern dann zwölf Sekunden vor dem Ende der Ausgleich gelang, hielt es in der „Schlaubetal-Hölle“ niemanden mehr auf den Sitzen. Als den Gästen die verbleibende Zeit nicht mehr zum entscheidenden Siegtreffer reichte, feierten die Fans dieses Unentschieden wie einen Sieg.
Da Wusterwitz zeitgleich gegen Tabellenführer Werder verlor, reichte den Schlaubetalern dieser Punktgewinn, um sich auf den 10. Tabellenplatz zu verbessern. Vor allem die an den Tag gelegte Moral der 2. Halbzeit sollte der Mannschaft Auftrieb geben, um in den verbleibenden Spielen die entscheidenden Punkte für den angestrebten Verbleib in der Brandenburgliga zu holen.
Tor: Marco Schwadtke, Florian Kubusch
Feld: David Schaffranke (7), Matthias Stalla (4), Robert Heise (2), Tobias
Hallert (1), Philipp Ermling, Norman Szymanowski, Matthias Gliese (3), Normen Ermling (8/1), Tobias Hötzel, Daniel Heine (1), Pascal Hötzel (1)
Trainer: Olaf Ermling
Betreuer: Jens Jüterbock
Physiotherapeut: Daniela Behrens
Schiedsrichter: Kalusche/Gerigk – MTV Altlandsberg
Zeitstrafen: HSG Schlaubetal 2 (einmal Rot), BSV 2
Siebenmeter: HSG 2/1, BSV 3/3
Zuschauer: 200